Aus der Chronik des Heimat- und Trachtenverein

„Erst wenn Du in der Fremde bist, weißt Du, was die Heimat ist.“

Dies mag wohl der Leitspruch des denkwürdigen 1. Januar 1947 gewesen sein, als sich Hans Rückl, Hans Wagensonner und weitere elf Idealisten im Gasthaus „Königbauer“ in Blumberg trafen, um den Verein aus der Taufe zu heben. In Anlehnung an den früheren Burschenverein „Almenrausch Blumberg“ wurde dem Verein der Name „Volks- und Gebirgstrachtenerhaltungsverein Almenrausch Blumberg“ gegeben. Zum Vorstand wurde Hans Wagensonner, zu seinem Stellvertreter Hans Rückl bestimmt. Mit den Ehefrauen der beiden Gründer und der Herbergsmutter gehörten dem Verein 14 Mitglieder an. In den Statuten des Vereins hieß es: „Der Verein macht es sich zur Aufgabe, das heimatliche Volksgut und Brauchtum zu erhalten und zu fördern“ und im Vordergrund stand das Schuhplattln. Der Verein schaffte sich, wie damals üblich, eine Gebirgstracht aus der Miesbacher Gegend an.

Nun, man sollte sich heute über ein Gebirgstracht in Niederbayern und das „Schuhplattln“ nicht mokieren oder gar lustig machen. Deutschland kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges war wirtschaftlich und auch gesellschaftlich zerstört. Man besann sich wieder auf althergebrachte Werte. Der Begriff Heimat war nicht nur ein Wort, er stand auch für „Zusammengehörigkeit“, „Wiederaufbau“ und „persönliche Freiheit“! Man rückte wieder näher zusammen, wurde eine Gemeinschaft! Mit viel Mühe und Entbehrungen aber auch mit „List“ wurde eine Tracht beschafft. Es gab in der sogenannten „Vorwährungszeit“ offiziell keine Mark- sondern eine Markenwährung und inoffiziell eine „Zigarettenwährung“. Mit Zigaretten konnte alles getauscht werden. Erwähnenswert ist, daß die Miesbacher Hüte weitgehend im Schwarzhandel beschafft wurden. Dazu fuhren einige Mitglieder (als Bergsteiger getarnt) mehrmals mit Handelswaren nach Miesbach. Ein Hut kostete 25 Reichsmark und 12 Hasenfelle oder ½ Zentner Mehl. Die Adlerfedern wurden gegen Butter getauscht. Von Anfang an war das Bestreben des Vereins die Beschaffung einer Vereinsfahne. Durch Theateraufführungen und Christbaumversteigerungen konnte das nötige Geld dazu beschafft werden. Pfingsten 1950 war es dann soweit. Die erste Fahnenweihe konnte abgehalten werden, wobei der Verein „D´Isartaler Landshut“ Pate standen.

Der Verein entwuchs alsbald den „Kinderschuhen“. Die Verantwortlichen kamen zu der Erkenntnis, daß der Fortbestand des Vereins und die Verwirklichung der Grundprinzipien – „Sitt´ und Tracht der Alten, wollen wir erhalten“ – nur durch eine Trachtenerneuerung zu erreichen war. Der Verein hat sich als einer der ersten im Gauverband 1954 zu diesem Schritt entschlossen, obwohl damit erhebliche Kosten verbunden waren. Ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das 25jährige Gründungsjubiläum 1972. Neben einer Reihe von Persönlichkeiten gaben uns 46 Gastvereine die Ehre.
Im Jahre 1979 hat sich der Verein entschlossen, ein zweites Mal die Tracht zu erneuern. Da es in Niederbayern zu dieser Zeit noch keine Trachtenberatugsstelle gab, wurde der Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer aus Regensburg gebeten, einen Entwurf anzufertigen. Als Anhalt für die Gestaltung der neuen bodenständigen Tracht dienten Votivtafeln bzw. Bilder um 1800 aus unserer Gegend. Nach eingehender Diskussion wurde der Entwurf gutgeheißen und so tragen wir nun auch heute diese Tracht.

Ein weiterer Höhepunkt des Vereins war das 35-jährige Gründungsfest mit Fahnenweihe 1982 (Auch hier waren „D´Isartaler Landshut“ Pate) das zusammen mit dem Gautrachtenfest gefeiert wurde. 68 Vereine nahmen an diesem Fest teil und war bisher der Höhenpunkt in unserer Vereinsgeschichte. Und nun freuen wir uns auf ein neues Fest, unser 50-jähriges Jubiläum!!

Um das Wort Heimat im Vereinsnamen in den Vordergrund zu stellen, hat sich der Verein einem weiteren Aufgabenbereich zugewandt, nämlich der Pflege und Erneuerung von Feldkreuzen und Marterl im Gemeindebereich. 1981 wurde von Vereinsmitgliedern im Ortsteil Zaitskofen eine neue Feldkapelle erbaut. Für die durchgeführte Renovierung des gotischen Taufsteins in der Pfarrkirche zu Adlkofen hatte der Verein die Finanzierung übernommen. Heute zählt der Verein 292 Erwachsene Mitglieder und eine große Zahl Kinder und Jugendliche.

 

 

Soweit ein kurzer Rückblick in die Geschichte und Chronik des Vereins.